Analyse und Visualisierung von Siedlungsdichten in Baden-Württemberg

Forschungsprojekt

Wie stellen sich die Siedlungsdichten von neuen Wohnquartieren in Baden-Württemberg gegenwärtig dar und in welcher Weise unterscheiden sie sich zwischen unterschiedlichen räumlichen Einheiten? Das durch das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg geförderte Projekt geht diesen Fragen nach. 

Ziel des Projekts

Ziel des Projekts ist die Entwicklung fundierter Empfehlungen für angemessene, räumlich differenzierte Mindestdichtewerte in der Wohnsiedlungsentwicklung Baden-Württembergs. Diese sollen als Grundlage für die Diskussion um Dichtevorgaben im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans dienen und einen Beitrag zur Reduktion der Flächenneuinanspruchnahme sowie zur Stärkung flächeneffizienter Siedlungsstrukturen leisten.


Im Zentrum steht die Frage, wie sich Siedlungsdichten im Land gegenwärtig darstellen und in welcher Weise sie sich zwischen unterschiedlichen räumlichen Einheiten unterscheiden. Dabei ist insbesondere von Interesse, welche strukturellen, funktionalen oder lagebezogenen Merkmale eine sinnvolle Grundlage für die räumliche Differenzierung von Dichtewerten auf Landesebene bilden können.


Neben der quantitativen Analyse realisierter Siedlungsdichten werden auch qualitative Aspekte berücksichtigt: Ziel ist es, realisierte Siedlungsbeispiele auszuwerten, um den Zusammenhang zwischen baulicher Dichte und städtebaulicher Qualität herauszuarbeiten. Die Verbindung beider Ebenen – empirischer Datenanalyse und räumlich-gestalterischer Bewertung – soll ein belastbares Argumentationsfundament schaffen, das politische, planerische und gesellschaftliche Diskussionen zu Dichtezielen fachlich untermauert.

Dichte der zwischen 2011 und 2022 entstandenen Neubaugebiete in Baden-Württemberg

Durschnittlichen Wohneinheiten-Dichte in WE/ha der zwischen 2011 und 2022 entstandenen Neubaugebiete (Summe der Einwohn. / Summe der Fläche der Neubaugebiete). Weitere Informationen siehe landesentwicklung-bw.de/dichtestudie2025.

Daten: Fachgebiet Digitalisierung, Visualisierung und Monitoring in der Raumplanung im Fachbereich Raum- und Umweltplanung der RPTU Kaiserslautern-Landau 2025

Ergebnisse

Die Untersuchung zeigt, dass die Festlegung verbindlicher Mindestdichten ein wirksames Instrument zur Steuerung einer flächeneffizienten Siedlungsentwicklung darstellen kann. Vor dem Hintergrund ambitionierter Flächensparziele in Baden-Württemberg und der damit verbundenen Herausforderungen gewinnt die Frage nach geeigneten Dichtevorgaben zunehmend an Bedeutung. Die empirischen Analysen verdeutlichen, dass sich realisierte Siedlungsdichten regional und je nach räumlicher Einheit stark unterscheiden. Während Verdichtungsräume und Oberzentren bereits heute kompaktere Strukturen aufweisen, werden in peripheren Räumen nach wie vor überwiegend niedrigere Dichten realisiert, bei gleichzeitig hoher Neubautätigkeit. Daraus ergibt sich ein erhebliches Steuerungspotenzial, insbesondere in ländlich geprägten Räumen, wo die Anhebung von Dichtewerten sowohl zur Reduktion der Flächeninanspruchnahme als auch zur Sicherung der Daseinsvorsorge beitragen kann.

Gleichzeitig machen die qualitativen Analysen deutlich, dass Dichte nicht allein quantitativ bemessen werden darf. Entscheidend für die Akzeptanz und städtebauliche Qualität neuer Quartiere ist deren kontextsensible Ausformung. Die Fallbeispiele zeigen, dass auch höhere Dichten in allen Raumtypen erfolgreich umgesetzt werden können, wenn sie architektonisch, typologisch und funktional angemessen ausgestaltet sind. Dichte und Qualität sind daher stets in enger Wechselwirkung zu betrachten.

Vor diesem Hintergrund entwickelt die Studie differenzierte Empfehlungen für Mindestdichtewerte, die auf der Kombination von Raumkategorien, zentralörtlicher Gliederung, in Erweiterung ggf. auch auf ÖPNV-Güteklassen, basieren. Damit lässt sich eine räumlich abgestufte Steuerung erreichen, die großräumige Unterschiede ebenso berücksichtigt wie lagebezogene Qualitäten. Die vorgeschlagenen Werte bieten aus wissenschaftlicher Sicht Zielgrößen für die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans und tragen dazu bei, die landespolitischen Flächensparziele mit konkreten, planerisch umsetzbaren Vorgaben zu unterfüttern.

Langfristig kommt es darauf an, die im Projekt entwickelten Empfehlungen nicht nur als formale Vorgaben zu verstehen, sondern als integralen Bestandteil einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und qualitätsvollen Raumentwicklung. Mindestdichten können nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie durch eine hochwertige städtebauliche Ausgestaltung flankiert werden. Das Projekt leistet hierzu einen Beitrag, indem es empirische Evidenz, qualitative Maßstäbe und konkrete Handlungsempfehlungen verbindet und damit eine fundierte Grundlage für die zukünftige Steuerung von Siedlungsentwicklung in Baden-Württemberg schafft.

Auftragnehmende

Auftragnehmende

Fachgebiet Digitalisierung, Visualisierung und Monitoring in der Raumplanung, 
Fachbereich Raum- und Umweltplanung RPTU Kaiserslautern-Landau

Team DVMP

Prof. Dr. Martin Berchtold
Anika Henke
Sofia Salta
Simon Zimmermann
Hendrik Jung
Leon Morosch

Kontakt
Gebäude 1, Raum U-028
Pfaffenbergstraße 95
67663 Kaiserslautern
https://ru.rptu.de/fgs/dvmp

 

Gefördert durch

Gefördert durch

Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg

 

Projektlaufzeit

Projektlaufzeit

August 2024 bis Dezember 2025

 

Ansprechpartner

Raumbeobachtung Baden-Württemberg
raumbeobachtung@mlw.bwl.de

 

 

Veröffentlichungen

Abschlussbericht

 

Präsentationen