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Schutz vor Wasserextremen

Sprechblasen und mit Fragezeichen und Ausrufezeichen

Worum geht es?

Bedingt durch den Klimawandel ist zukünftig mit einem verstärkten Auftreten von Hochwasserereignissen zu rechnen. Neben Flusshochwassern rücken zunehmend auch Überflutungen durch Starkregenereignisse in den Fokus. Dabei handelt es sich um kurze, aber intensive unwetterartige Niederschläge, die auch abseits von Gewässern zu erheblichen Schäden führen können.
Einzelnen Hochwasserereignissen zum Trotz, fällt insgesamt, insbesondere über die Sommermonate hinweg, immer weniger Regen, wodurch es in den vergangenen Jahren vermehrt zu Niedrigwasserphasen kam. Diese führen nicht nur zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen, sondern haben auch gravierende ökologische Auswirkungen. Eine übergeordnete und risikovorsorgende Planung ist daher sowohl für den vorbeugenden Hochwasserschutz, als auch für die Vorsorge bei Niedrigwasserphasen von großer Bedeutung.

Baden-Württemberg, eine Hand und ein Herz symbolisieren ein gutes Leben in Baden-Württemberg

Was bedeutet das für ein gutes Leben in Baden-Württemberg?

Hochwasser kann zu schweren Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen führen. Die Auswirkungen können weit über den betroffenen Raum hinausreichen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn überregionale Verkehrswege blockiert werden oder es zu Schäden oder gar Ausfällen an kritischen Infrastrukturen wie der Trinkwasserversorgung kommt. Extreme Hochwasserereignisse wie die Sturzflut in Braunsbach im Jahr 2016 und die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 mit zahlreichen Todesopfern haben auf dramatische Weise die Risiken für Leib und Leben sowie das erhebliche volkswirtschaftliche Schadenspotenzial verdeutlicht. Im Jahr der Flut im Ahrtal registrierte die deutsche Versicherungswirtschaft Schäden von rund 12,5 Milliarden Euro durch Naturgefahren, so viel wie noch nie seit Beginn der Statistik Anfang der 1970er-Jahre. Ein umfassender, vorsorgender Hochwasserschutz ist daher elementar, um die Risiken für die Bevölkerung, die Umwelt und die Wirtschaft möglichst gering zu halten.

Nicht nur Hochwasser, auch Niedrigwasser kann negative Folgen haben. So beeinträchtigt die Zunahme von Niedrigwassertagen zunehmend die Schifffahrt auf Rhein und Neckar. Niedrigwasserperioden haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Energiewirtschaft, die Wasserversorgung, die Wassergüte, auf die Gewässerökologie und die Fischerei. Die Zunahme von Niedrigwasserperioden hat somit auch volkswirtschaftliche Bedeutung.

Mit Gummistiefeln im Wasser

Trends und Herausforderungen

Der Bund hat mit dem im Jahr 2021 in Kraft getretenen Bundesraumordnungsplan Hochwasserschutz (BRPH) den Hochwasserschutz im Bereich der Raumordnung bundesweit geregelt und einen neuen, risikobasierten Ansatz eingeführt. Zukünftig müssen die Empfindlichkeit der Bevölkerung und die Schutzwürdigkeit von kritischen Infrastrukturen berücksichtigt werden. Auch Flächen außerhalb von wasserwirtschaftlich festgesetzten oder vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten sollen hierbei betrachtet werden. Damit haben sich die gesetzlichen Vorgaben seit der Erstellung des aktuell gültigen LEP signifikant verändert und machen eine landesplanerische Umsetzung der Vorgaben aus dem BRPH erforderlich.

Die in den vergangenen Jahren beobachtete Häufung und Intensivierung von Hochwasserereignissen wird sich durch den Klimawandel in den nächsten Jahren weiter verstärken. Potentielle Überflutungsflächen sind daher von Bebauung freizuhalten. Dies kann zu Nutzungskonflikten führen, wenn einer Gemeinde geeignete Entwicklungsflächen außerhalb der Gefährdungsgebiete nicht mehr zur Verfügung stehen. Es gilt daher neue Ansätze für hochwassertolerante Mehrfach- und Zwischennutzungen zu entwickeln und zu erproben.

Symbol für eine Markierung auf einer Karte

Wo wollen wir hin?

Die Risiken von Wasserextremen für Mensch und Umwelt sollen auch mit fortschreitendem Klimawandel möglichst geringgehalten werden. Dafür wollen wir resiliente, also widerstandsfähige und flexible, räumliche Strukturen schaffen. Für den Schutz von Siedlungsgebieten und kritischen Infrastrukturen vor Flusshochwasser und starkregenbedingten Überflutungen ist die räumliche Sicherung und Rückgewinnung von Gebieten für den Wasserrückhalt von großer Bedeutung.

Für die Hochwasservorsorge sind naturnah gestaltete Fließgewässer wichtig, die dem Wasser mehr Raum geben und als natürliche Rückhalteräume fungieren (z.B. Auenwälder). Naturnahe Fließgewässer sind aber auch resilienter gegenüber den Auswirkungen von Niedrigwasser, da Wasser besser zurückgehalten werden kann. Daher soll die Renaturierung von Fließgewässern sowie die Erhaltung und Förderung des Wasserversickerungs- und Wasserrückhaltevermögens des Bodens weiter gestärkt werden.

Die Verringerung der Auswirkungen von Starkregenereignissen erfordert zudem die vermehrte Entwicklung von Retentionsräumen und versickerungsfähigen Flächen im urbanen Raum. Durch Vorgaben zur Wasserrückhaltung soll das sogenannte "Schwammstadt-Prinzip" als planungsleitender Belang und gestaltendes Element für Planungen im Siedlungsbereich vorgegeben werden.

Erste Lösungsansätze

  • Festlegung von „Gebieten für den vorbeugenden Hochwasserschutz“ durch die Regionalplanung zur Freihaltung vor Bebauung und weiteren konkurrierenden Nutzungen sowie zur Sicherung und Rückgewinnung von Gebieten für den Wasserrückhalt nach landeseinheitlichen Kriterien. Die Festlegung soll unter Einbezug der neuen gesetzlichen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Einführung eines risikobasierten Ansatzes zur Beurteilung von Risiken, erfolgen.
     
  • Verankerung des Vorsorgeprinzips sowohl bei Neuausweisungen von Siedlungsflächen als auch für den Bestandsschutz. Demnach soll bei besonderer Empfindlichkeit der Nutzung dem Hochwasserrisikomanagement (einschließlich der Prüfung alternativer Standorte) ein besonderes Gewicht beigemessen werden und Maßnahmen zum Schutz von bestehenden Siedlungen und zur Funktionsfähigkeit von kritischen Infrastrukturen in überflutungsgefährdeten Bereichen vorgesehen werden.
     
  • Vorgaben zur Erhaltung und Förderung des Wasserversickerungs- und Wasserrückhaltevermögens des Bodens sowie zur Renaturierung von Fließgewässern.
     
  • Vorgaben zur Wasserrückhaltung im urbanen Raum für die Überflutungsvorsorge ("Schwammstadt") im Rahmen eines urbanen Wassermanagements.

 

Nagoldtalsperre im Schwarzwald
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